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Sicherlich gibt es viele Gründe, aus Deutschland auszuwandern. Doch warum zieht es Deutsche in das ferne Brasilien? Wärme, Sonnenschein und Strände gibt es doch auch in den südlichen Gefilden Europas satt. Brasilien hingegen liegt rund 10.000 Kilometer von Deutschland entfernt. Die Entscheidung dorthin auszuwandern wird vielleicht auch deshalb nicht leichtfertig getroffen.

Dies lässt sich auch an statistischen Zahlen zur Auswanderung aus Deutschland ablesen.

Zahlen & Fakten übers Auswandern

Auswandern nach BrasilienIm Betrachtungszeitraum 2016 emigrierten 1.219 Deutsche nach Brasilien. Im Verhältnis zur Gesamtzahl ist das verschwindend gering: mehr als 1,3 Millionen deutsche Staatsbürger zog es insgesamt ins Ausland. Spitzenreiter unter den Auswanderungsländern war und ist die Schweiz. Im Jahr 2016 wanderten 17.650 Deutsche in das südliche Nachbarland aus. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen die USA (12.781), Österreich (10.282), Großbritannien (8.246) und Spanien (6.352). Innerhalb von zehn Jahren (2005-2014) entschlossen sich nur 14.823 Deutsche nach Brasilien auszuwandern, insgesamt also sogar weniger, als es jährlich in die Schweiz zieht.

Kriminalität, Korruption und ein mangelhaftes Gesundheits- und Bildungssystem sind Herausforderungen des brasilianischen Alltages. Doch diese Schattenseiten werden aufgewogen durch eine einzigartige Natur, die positiven, lebensfrohen Menschen und das warme Klima. Daneben gibt es für über tausend Deutsche pro Jahr natürlich noch andere gute Gründe, nach Brasilien auszuwandern.

Auswandern nach Brasilien: Das sind die Gründe

Motive sind oft privater Natur und dienen der Familienzusammenführung. Wenn die große Liebe dauerhaft in Brasilien lebt, fällt die Entscheidung für das weit entfernte Land leicht(er). Der Wunsch, eine Familie zu gründen, lässt sich im kinderfreundlichen Brasilien umsetzen. Berufliche Chancen sind für gut ausgebildete Deutsche ebenfalls gegeben. Womit schon der zweite Anlass zur Emigration nach Brasilien genannt ist.

Viele Fachkräfte werden von deutschen Unternehmen nach Brasilien entsandt. Die so genannten Expatriates wandern auf Zeit und meist mit der gesamten Familie aus. Zahlreiche deutsche Unternehmen haben sich vor allem rund um die Metropole São Paulo niedergelassen und bieten Arbeitsplätze. Lehrer und Tourismusfachleute finden in der Regel ebenso eine Beschäftigung. Auch eine ausgefeilte Gründungsidee gepaart mit Leidenschaft für Brasilien zieht einige Deutsche in das größte Land Südamerikas.

Zwei Deutsche finden in Brasilien ihr Glück

Für ein Leben in São Paulo hat sich Simone entschieden. Ein Vierjahresvertrag mit einem Architekturbüro brachte die Innenarchitektin im November 1987 in die größte Stadt Brasiliens. Schnell trat sie dem Vorstand der deutsch-brasilianischen Industrie- und Handelskammer bei. Ein Wendepunkt im Leben der jungen Frau war die Geburt ihres ältesten Sohnes, der mit Sauerstoffmangel auf die Welt kam. Mehr und mehr zeigte sich, dass ihr Herz für behindertengerechtes Bauen schlägt: „Mein wichtigstes Projekt war wohl unser behindertengerechtes Haus und damit auch der Grundstein meines Brasilienlebens.“

Viel Engagement bringt sie für Kinder auf. Simone gründete das Kinderhilfswerk „Meu Direito de Crescer“ („Mein Recht Aufzuwachsen“) und vertritt das deutsche Hilfswerk „Eltern für Kinder“. So konnten über 250 brasilianische Kinder in fürsorgende Familien in Deutschland vermittelt werden. Simone selber traf dabei ihre beiden Wunschkinder, die sie adoptierte. Inzwischen leitet sie hauptsächlich interkulturelle Trainings, ein Gebiet auf dem sich Simone Dank der eigenen Lebenserfahrung bestens auskennt.

Michael lebt mit seiner brasilianischen Frau und den gemeinsamen Kindern in Florianópolis. Aus Liebe entschied er sich 2006 für ein neues Leben in Brasilien. Zunächst lebte er in São Paulo, der Heimatstadt seiner Frau. Zwei Jahre später aber zog es die naturverbundene Familie in die Hauptstadt von Santa Catarina. Dort tat er sich mit der Gründerin einer Reiseagentur zusammen. Nachdem sie viel zu früh verstarb übernahm er die alleinige Geschäftsführung und organisiert seitdem erfolgreich Brasilien Reisen.

Die regionale Vielfalt Brasiliens

Hauptmerkmale Brasiliens sind die schiere Größe des Landes und die Diversität der Naturlandschaften. Die südlichen Bundesstaaten sind stark geprägt durch europäische Einwanderer aus Portugal, Deutschland und Italien. Schon unsere beiden Auswanderergeschichten zeigen, dass deutsche Immigranten sich hauptsächlich im gemäßigten Klima des brasilianischen Südens niederlassen.

Urwald, Strände und Meer

Einen großen Kontrast bietet die tropische Amazonasregion im Norden. Im heißen brasilianischen Nordosten reihen sich traumhafte Sandstrände aneinander, unterbrochen von den Großstädten Fortaleza, Natal und Recife. Zu den weltweit beliebtesten Reisezielen für Taucher und Tierfreunde zählt die Insel Fernando de Noronha. Das afrobrasilianische Bahia mit der ersten Landeshauptstadt Salvador da Bahia ist eine weitere Lieblingsdestination von Brasilien Reisenden. Genau wie Rio de Janeiro, dessen einmalige Lage zwischen Meer und Bergen malerische Motive zaubert.

Cataratas do Iguaçu, Brazil (Foto: Camila Cordeiro auf unsplash.com)

Die aktuelle Hauptstadt ist Brasilia, von Oscar Niemeyer am Reißbrett entworfen und im trockenen Landesinneren aus dem Boden gestampft. Naturliebhaber kommen im artenreichen Pantanal auf ihre Kosten. In diesem riesigen Feuchtgebiet können unzählige endemische Tier- und Pflanzenarten bewundert werden. An der Grenze zu Argentinien und Paraguay liegen die gigantischen Wasserfälle von Iguaçu. Der Bundesstaat Minas Gerais beeindruckt mit barocken Prachtbauten aus der Goldgräberzeit.

Deutsche in Brasilien: Gegenwart und Geschichte

Ist der Entschluss zur Auswanderung nach Brasilien gefallen, will wohl überlegt sein, welche Region in Frage kommt. Besonders populär bei deutschen Einwanderern sind die Wirtschaftsmetropole São Paulo und der südliche Bundesstaat Santa Catarina.

Deutsche in Brasilien heute

São Paulo bietet vor allem beruflich viele Perspektiven. Über tausend deutsche Unternehmen wie Mercedes, VW, BASF und Siemens sind hier ansässig. Ein reiches kulturelles und gastronomisches Angebot rundet das Profil dieser Stadt, die niemals schläft, ab. 24 Stunden am Tag ist hier fast alles erhältlich.

In Santa Catarina leben viele Brasilianer mit deutschen Wurzeln. Vor allem landschaftlich ist der Bundesstaat sehr attraktiv. Die Einwohner der Hauptstadt Florianópolis, liebevoll Floripa genannt, genießen eine hohe Lebensqualität. Die Stadt liegt direkt am Meer: der ältere Teil auf der vorgelagerten Ilha de Santa Catarina und der jüngere auf dem Festland. Verbunden sind beide durch die Hercílio Luz Hängebrücke. Über vierzig prächtige Sandstrände, schöne Lagunen, charmante Fischerdörfer und der Atlantische Regenwald machen das Flair der Umgebung aus. Surfer, Touristen und internationale Einwanderer zieht es darum hierher.

Auswandern nach Brasilien

Balneario Camboriu, Santa Catarina (© diegograndi – Fotolia.com)

Historische deutsche Einwanderung in Brasilien

Die deutsche Einwanderung nach Brasilien erfolgte in Wellen, hauptsächlich vom späten 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts. In den Spitzenjahren 1920 bis 1929 kamen durchschnittlich 8.422 Deutsche pro Jahr in Brasilien an. Der übrige Mittelwert liegt bei jährlich zweitausend deutschen Immigranten (1872-1959). Man wollte der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ungerechtigkeit in Europa entfliehen und sich Wohlstand sowie ein neues, freies Leben in Übersee aufbauen. Kolonien entstanden in den heutigen Bundesstaaten Santa Catarina, Rio Grande do Sul und Paraná. Dort ließen sich vor allem Bauern nieder. Handwerker und besser ausgebildete Europäer zog es hingegen in den Bundesstaat São Paulo, wo Dank der Kaffeefazendas die Wirtschaft erblühte.

Wohin die ersten deutschen Immigranten zogen

Wie bereits erwähnt findet man das Erbe deutscher Einwanderer hauptsächlich im Hinterland von Santa Catarina. Die Stadt Blumenau wurde 1850 vom deutschen Apotheker Hermann Blumenau gegründet und feiert seit 1984 das zweitgrößte Oktoberfest der Welt. 1861 gründeten pommersche Immigranten Pomerode, welches heute als deutscheste Stadt Brasiliens gilt. Viele Einwohner sprechen noch Deutsch, allerdings mit einem stark ausgeprägten Dialekt. In den jungen Generationen verliert sich die deutsche Sprache zusehends.

Die ersten Siedler aus Deutschland kamen jedoch 1824 in Rio Grande do Sul an. Die damalige Kaiserin Leopoldina, eine gebürtige Österreicherin, wünschte sich die Europäisierung Brasiliens. Es entstanden die Kolonien São Leopoldo und Hamburger Berg, heute Novo Hamburgo. Das subtropische Klima im heutigen Rio Grande do Sul empfanden die Kolonisten als angenehm. Außerdem durften die Bauern kleine Landflächen selbstständig bearbeiten. Der Kaiserin waren Plantagenwirtschaft und die damit einhergehende Sklavenhaltung im brasilianischen Nordosten ein Dorn im Auge.

Im Anschluss erst siedelten sich deutsche und andere europäische Immigranten auch in Paraná an. Der Name der Bundeshauptstadt Curitiba wird heutzutage gleichgesetzt mit hohem Lebensstandard, guter Infrastruktur und umweltfreundlichem Großstadtleben.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass deutsche Einwanderer tiefe Fußspuren in der brasilianischen Gesellschaft hinterlassen haben. Ebenso wurden sie selbst geprägt durch die natürlichen Gegebenheiten und Widrigkeiten Brasiliens, mit denen sie sich konfrontiert sahen und umzugehen lernten.

Der brasilianische Alltag: Was erwartet deutsche Einwanderer?

Auch wenn jeder zehnte Brasilianer deutsche Wurzeln hat, gibt es einige Unterschiede zwischen dem deutschen und brasilianischen Alltag. Vor allem Bildungs- und Gesundheitswesen sind anders strukturiert. Aber auch Essen, Trinken und Kommunikation weisen wie in jedem Land auch in Brasilien Besonderheiten auf.

Gesundheit und Bildung in Brasilien

Wie in Deutschland gibt es auch in Brasilien eine allgemeine und kostenlose Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung. Die großen Qualitätsunterschiede zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen sind aber nicht von der Hand zu weisen. In staatlichen Krankenhäusern und Kliniken gibt es sehr lange Wartezeiten. Es stehen nicht die gleichen Medikamente, Impfungen und Apparate zur Verfügung, sondern oftmals schlechtere oder gar keine Alternativen. Wer, wie durchaus üblich, nicht über seinen Arbeitgeber privat krankenversichert ist, muss für eine hochwertige Behandlung tief in die eigene Tasche greifen.

Den Schülern der staatlichen Schulen wird keine international wettbewerbsfähige Ausbildung zuteil. Die eigenen Kinder auf eine Privatschule zu schicken, gleicht einer hohen und langfristigen Investition. Gezahlt wird pro Kind, eine Unterstützung oder Mengenrabatt vom Staat gibt es nicht. An Auswahl von privaten Bildungsanstalten mangelt es in den großen Städten nicht. Beispielsweise befindet sich die weltweit größte deutsche Schule, das Colégio Visconde de Porto Seguro, in São Paulo. Staatliche Universitäten bieten eine fundierte akademische Ausbildung. Jedoch sind die Zugangsprüfungen äußerst anspruchsvoll und Universitäten spärlich gesät.

Ernährung: Nationalgericht und Spezialitäten

Wie jedes andere Land hat Brasilien eine eigene Ernährungskultur. Regional gibt es noch einmal Unterschiede. In São Paulo ist fast alles erhältlich: internationale Restaurants und Märkte bieten unter anderem italienische, japanische, deutsche, arabische und portugiesische Spezialitäten an. Vor allem fangfrischer Fisch und Meeresfrüchte kommen in Florianópolis und anderen Küstenorten auf den Tisch. Bahias afrobrasilianische Küche ist reich an intensiv gewürzten, in Palmöl frittierten und mit Kokosmilch angemachten Gerichten. Im Amazonasgebiet werden gerne heimische Fischarten und Maniok serviert. Diese stärkehaltige Wurzel ist eine alltägliche Beilage im brasilianischen Norden.

Begrüßt wird der Tag in Brasilien traditionell mit einem heißen, starken, gesüßten cafezinho (Kaffee) und gebuttertem, gegrillten Brot. Auch auf der Kaffeetafel zu finden sind trockene Kuchen aus Maniok- oder Maismehl und frische tropische Früchte wie Ananas, Papaya, Mango, Caqui und Jabuticaba. Auf ausgiebiges Frühstücken wird zu Gunsten von warmen Mittags- und Abendmahlzeiten verzichtet.

Alle Brasilianer kennen und lieben farofa. Es handelt sich dabei um pur oder in Butter geröstetes Maniokmehl. Es wird über Reis und Bohnen gestreut, die meist zusammen mit einem flachen Stück Rindfleisch auf dem Teller landen. Ein simples und im Alltag typisches Gericht. Das brasilianische Nationalgericht ist feijoada und wird samstags zu Sambamusik und -tanz genossen. Dieser herzhafte Eintopf besteht aus Bohnen, günstigen Teilen vom Schwein, Trockenfleisch, Wurst, Speck, Zwiebeln und Knoblauch.

Auswandern nach Brasilien

Markt in Brasilien (Foto: Davidson Luna auf unsplash.com)

In der Freizeit lieben es die Brasilianer, ein churrasco zu organisieren. Bei diesen privaten Grillpartys werden große Fleischstücke in grobem Salz gewälzt und über Holzkohle gegrillt. Anschließend werden mundgerechte Stücke geschnitten und alle Anwesenden bedienen sich, so dass es sehr gesellig zugeht. Spezialisierte Restaurants in São Paulo, so genannte churrascarias, tischen Fleisch- und Wurstsorten in guter Qualität auf. Für einen Festpreis pro Person kann beim rodizio nach Lust und Laune zugelangt und probiert werden.

Die Getränkekarte lässt kaum Wünsche offen. Frisch gepresste, gezuckerte Säfte, Kokosnusswasser und Zuckerrohrsaft erfreuen sich großer Beliebtheit. Softdrinks sind weit verbreitet. Besonders erwähnenswert ist Guaraná, eine zuckerhaltige Limonade aus dem Pulver einer Amazonasfrucht. Zur Erfrischung gerne getrunken werden im heißen Brasilien das Nationalgetränk caipirinha und eisgekühltes Bier.

Brasilien: herzhaft und süß

Brasilien ist Heimat von vielen herzhaften Kleinigkeiten, die man als Zwischenmahlzeit verzehrt oder in der Bar zum Bier ordert. Hervorzuheben sind pão de queijo (kleine Käsebrötchen), coxinhas (mit Hähnchen gefüllte, frittierte Kartoffelbällchen), pastéis (frittierte und gefüllte Pasteten) und bolinhos de bacalhau (Fischfrikadellen).

Zahlreiche Süßspeisen zeugen vom süßen Zahn der Brasilianer. Sie enthalten in der Regel Kondensmilch, Kokos und Schokolade. Am bekanntesten sind brigadeiros (Pralinen mit Kondensmilch und Schokostreuseln), pudim de leite (gebackener Pudding mit Kondensmilch und Karamell) und cocada (Süßigkeit aus Kokosraspeln und Zuckersirup).

Das ist typisch: Was Brasilianer ausmacht

Wer nach Brasilien auswandern möchte, sollte zunächst die Landessprache Portugiesisch beherrschen oder schnell erlernen. Selbst in der Megacity São Paulo kommt man mit Englisch oder anderen Fremdsprachen nicht weit.

Begrüßung und Kommunikation

Auch den brasilianischen Benimmknigge empfiehlt es sich zu studieren, ehe man auswandert. Der Begrüßungskuss auf die Wange gehört zu jeder beruflichen und privaten Begegnung dazu. Besonders zwischen Mann und Frau und unter Frauen gehört es sich, je nach Region einen (São Paulo), zwei (Rio de Janeiro) oder drei Wangenküsse (Nordosten) zu tauschen. Männer untereinander schütteln sich eher die Hand oder umarmen sich kumpelhaft.

Eine unverzichtbare Geste im Alltag ist der hochgereckte Daumen als Zeichen der Zustimmung: „einverstanden“, „combinado“. Worte erübrigen sich. Sonst ist ausgiebige Kommunikation den Brasilianern wichtig. Ehe man auf den Punkt kommt, lernt man sich durch persönliche Fragen besser kennen. Vor allem im Arbeitsalltag ist es zunächst gewöhnungsbedürftig für geradlinige Deutsche, sich auch privat mit Kollegen auszutauschen. Hier kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Ein zu forscher erster Kontakt kann unbeabsichtigt damit enden, dass man sich nie wiedersieht.

Brasilianer kommunizieren gerne indirekt. Sie benutzen selten das Wort Nein, sondern bedienen sich eines negativen Jas. Über Umwege kommt man am schnellsten ans Ziel. Es ist besser, Wünsche oder Kritik unterschwellig zu äußern. Zu leicht tritt man in ein Fettnäpfchen und vergrault einen potenziellen Freund oder Geschäftspartner, wenn man in Brasilien mit dem Kopf durch die Wand will.

Bitte geduldig und tolerant!

In Brasilien wird Geduld groß geschrieben. Verspätet zu einer Verabredung zu erscheinen wird nicht nur akzeptiert, sondern ist weit verbreitet. Wer drängelt, erreicht eher das Gegenteil. Erfrischend ist der lebensbejahende Charakter der Brasilianer. Die Menschen sind toleranter und emotionaler als in Deutschland. Eine Meckerkultur gibt es vor allem in den ärmeren Bevölkerungsschichten nicht. Man findet sich mit dem eigenen Schicksal ab und macht das Beste daraus. Zumindest aber konzentriert man sich nicht auf die Schwierigkeiten des Alltags, sondern versucht, das Leben zu genießen. Alle Probleme werden so behandelt, als seien sie lösbar. Es findet sich immer ein Weg. In Brasilien heißt das „dar um jeitinho“.

Vom Feiern und Flirten

Vielen Deutschen sind Ruhe und Privatsphäre heilig. In Brasilien gilt aber, je voller der Strand ist, umso eher wird er empfohlen. Laute Musik, Motorengeräusche und Hupen dringen jeden Tag von der Straße ins Haus. Damit muss man sich abfinden. Brasilianer sind meist sehr selbst- und körperbewusst und flirten gerne. Das gilt für Männer und Frauen. Auf gepflegtes und gutes Aussehen wird viel Wert gelegt, so dass Schönheitsoperationen in allen Bevölkerungsschichten weit verbreitet sind.

Empregadas und Orixas

Die meisten arbeitenden Brasilianer leisten sich eine empregada (Haushaltshilfe). Auch Gärtner und Portiers gehören zum Erscheinungsbild von großen Privathäusern und Wohnkomplexen. Hier zeigt sich der unterschwellige Rassismus in der brasilianischen Gesellschaft, denn die erwähnten Tätigkeiten werden fast immer von dunkelhäutigen Brasilianern verrichtet.

Brasilianer sind tiefgläubig. Neben dem Katholizismus und protestantischen Freikirchen existiert auch der Glaube an afrobrasilianische Gottheiten (orixas).

Brasilien auf Probe: Ein Langzeiturlaub zur Entscheidungsfindung

Ein Auswandern nach Brasilien auf Probe sei allen ans Herz gelegt, die es dauerhaft in das größte südamerikanische Land zieht. Die Beratung durch spezialisierte Reiseagenturen ist durchaus empfehlenswert. Zu nennen wäre etwa  der Spezialist für Brasilien Reisen Aventura do Brasil Eine, zwei oder mehrere Langzeitreisen sollten vor einer endgültigen Immigration in Brasilien verbracht werden. Denn die rosarote Brille ist nicht der beste Ratgeber, wenn es um lebenslange Entscheidungen geht.

90 Tage Touristenvisum

Deutsche können dazu das Touristenvisum nutzen, welches automatisch bei der Einreise erteilt wird und einen dreimonatigen Aufenthalt ermöglicht. Zweimal pro Jahr darf man mit diesem Visum jeweils drei Monate am Stück in Brasilien verbringen. Diese Zeitspanne bietet die Chance, sich verschiedene Regionen in Brasilien näher anzuschauen. Auch Kontakte vor Ort können geknüpft werden. Ein Sprachkurs zum Einstieg in die portugiesische Sprache bietet sich ebenfalls an. Berufliche Chancen am Wunschort können bereits ausgelotet werden, wobei mit dem Touristenvisum keine Arbeitserlaubnis einhergeht. Am eigenen Leib kann man das Autofahren im brasilianischen Straßenverkehr austesten. Mit einem internationalen Führerschein darf problemlos ein Auto angemietet werden. Dabei sind Grundkenntnisse der Landessprache mehr als hilfreich. Schlussendlich zeigt ein Langzeiturlaub, ob man überhaupt geeignet ist, den mit der Auswanderung verbundenen Abschied von Familie und Freunden dauerhaft in Kauf zu nehmen.

Das endgültige Ja zur Auswanderung nach Brasilien: Und jetzt?

Ist die Entscheidung für das Auswandern nach Brasilien gefallen, steht sorgfältige und langfristige Planung an. Man kann und sollte dazu die Hilfe von juristischen Experten in Anspruch zu nehmen. Es muss zum Beispiel geklärt werden, welches Visum in Frage kommt. Die Beantragung und Bewilligung der passenden Aufenthaltsgenehmigung kann mitunter viel Zeit und Nerven kosten. Gibt es schon einen Arbeitsvertrag mit einem brasilianischen Unternehmen, dann kann dieses bei den Formalitäten helfen. Welches Dauervisum passt? Gründe für die Bewilligung eines Dauervisums sind:

• Arbeitsvertrag mit einer brasilianischen Firma
• Heirat mit einem brasilianischen Staatsbürger oder Bürger mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht in Brasilien
• Erhalt einer Rente in Höhe von mindestens 6.000 Reais pro Monat
• Investition von mindestens 500.000 Reais Startkapital und Schaffung von zehn neuen Arbeitsplätzen
• Finanzielle Abhängigkeit von einem brasilianischen Kind
• Fürsorgepflicht für ein minderjähriges brasilianisches Kind

Auswanderer, die noch keine Stellenzusage in Brasilien in der Tasche haben, müssen rechtzeitig Zeugnisse übersetzen und mit einer Apostille versehen lassen. Von Deutschland aus sollten schon genau die beruflichen Chancen am Zielort analysiert werden. Gibt es zum Beispiel ansässige deutsche Unternehmen, bei denen man sich bewerben kann? Auf jeden Fall sollte ein langfristiger Plan aufgestellt werden, dem man nach der Auswanderung nach Brasilien folgen kann.

Brasilianische Dokumente

Wer in Brasilien arbeiten, kaufen und handeln möchte, muss über die brasilianische Steuernummer CPF verfügen, welche bei der zuständigen Gemeindeverwaltung nach der Ankunft problemlos beantragt werden kann. Dazu und zum Erhalt anderer brasilianischer Dokumente (Führerschein etc.), müssen vor der Ausreise die persönlichen deutschen Dokumente von einem amtlichen Übersetzer übersetzt und vom zuständigen Konsulat mit Apostille versehen werden.

Gute Vorbereitung ist alles

Ganz wichtig beim Auswandern nach Brasilien ist es, eine Krankenversicherung für das erste Jahr abzuschließen, um in gesundheitlichen Notfällen gewappnet zu sein. Eine geeignete Wohnung für die erste Zeit nach der Ankunft in Brasilien sollte schon von Deutschland aus gesucht werden. Auch sprachliche Grundkenntnisse sollten vor der Ausreise zumindest vorhanden sein. Gesetzt dem Fall, der Auswanderungsplan ist wohl überlegt und vorbereitet, ist dem österreichischen Schriftsteller und Brasilienimmigranten Stefan Zweig nichts hinzuzufügen: „Wer Brasilien wirklich zu erleben weiß, der hat Schönheit genug für ein halbes Leben gesehen.“

Die Autorin:

Melanie Hubal schloss 2008 ihr Studium der Tourismuswirtschaft als Diplom-Kauffrau ab. Sie lebte lange in Neuseeland und Australien und sammelte auf zahlreichen Reisen Auslandserfahrung.

Die Liebe zog sie nach Sao Paulo, wo sie seit Ende 2013 mit ihrer Familie lebt. Dort war sie zunächst als Deutschlehrerin tätig, ehe sie in die Tourismusbranche zurückkehrte. Nebenbei verfasst sie News-Artikel rund um ihre neue Heimat Brasilien.

Quellen für den Artikel:

www.aka-blaetter.de

www.auswandern-info.com

www.destatis.de

www.kas.de

https://www.expat-news.com/35095/interkulturelle-kompetenzen-ausland/auswandern-nach-brasilien-tausende-deutsche-wagen-jaehrlich-das-grosse-abenteuer/

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